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Ratgeber

Zeitarbeit Lohn 2026: GVP-Tarif, Stundenlöhne, Zuschläge

Von Salman Karakusaktualisiert am 6 Min. Lesezeit
Gruppe von Beschäftigten mit Schutzhelmen in einer Werkhalle

Was man 2026 in der Zeitarbeit verdient: das DGB/GVP-Tarifwerk mit allen Entgeltgruppen, Branchenzuschlägen und Equal Pay, mit aktuellen Stundenlöhnen.

Zuletzt aktualisiert am 22. Oktober 2026. Alle Werte nach dem einheitlichen DGB/GVP-Tarifwerk, das seit dem 1. Januar 2026 gilt. Maßgeblich ist derzeit die Entgelttabelle ab 1. September 2026.

Warum es einen eigenen Tariflohn in der Zeitarbeit gibt

Lange galt die Zeitarbeit als Niedriglohnbranche. Heute arbeiten tarifgebundene Personaldienstleister mit einem eigenen Branchen-Tarifwerk, das Mindestlöhne, Urlaub, Zuschläge und Sonderzahlungen regelt. Der Tariflohn Zeitarbeit ist damit die Grundlage für Ihr Gehalt, in welchem Einsatzbetrieb Sie auch arbeiten.

Hier steht, was GVP-Tarifwerk, Entgeltgruppen, Branchenzuschläge und Equal Pay bedeuten und was davon am Ende auf Ihrer Lohnabrechnung ankommt.

Von iGZ und BAP zum GVP: ein Tarifwerk für die ganze Branche

Bis Ende 2023 gab es in der Zeitarbeit zwei große Arbeitgeberverbände mit jeweils eigenen Tarifverträgen: den iGZ (Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen) und den BAP (Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister). Zum 1. Dezember 2023 sind beide zum Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP) verschmolzen.

Der entscheidende Schritt für Ihren Lohnzettel folgte danach: Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein einheitliches, mit den DGB-Gewerkschaften verhandeltes DGB/GVP-Tarifwerk, das die alten iGZ- und BAP-Tarifverträge vollständig ersetzt. Es besteht aus Manteltarifvertrag, Entgeltrahmen- und Entgelttarifvertrag, ergänzt um Branchenzuschlagstarifverträge. Wenn Sie in älteren Anzeigen noch „iGZ-Tarif“ oder „BAP-Tarif“ lesen: Diese Begriffe sind überholt. Heute zählt der GVP-Tarif.

Die Entgeltgruppen: aktuelle Stundenlöhne (Stand: Oktober 2026)

Das Tarifwerk teilt Beschäftigte nach ihrer tatsächlich ausgeübten Tätigkeit in Entgeltgruppen ein. Seit dem 1. September 2026 gelten bundesweit, ohne Unterschied zwischen Ost und West, folgende Grundentgelte pro Stunde:

  • EG 1: 15,33 € für Tätigkeiten, die eine betriebliche Einweisung erfordern (unterste Tarifstufe, über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 €)
  • EG 2a: 15,67 € für Tätigkeiten mit Anlernzeit oder fachbezogener Berufserfahrung
  • EG 2b: 16,08 € für Tätigkeiten mit fachspezifischer Qualifikation
  • EG 3: 17,11 € für Tätigkeiten mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung
  • EG 4: 18,09 € für Tätigkeiten mit mindestens dreijähriger Berufsausbildung
  • EG 5: 20,27 € wie EG 4, zusätzlich Spezialkenntnisse aus einer Zusatzausbildung und langjährige Berufserfahrung
  • EG 6: 22,52 € für Tätigkeiten mit Meister- oder Technikerausbildung
  • EG 7: 26,20 € wie EG 6, zusätzlich mehrjährige Berufserfahrung
  • EG 8: 28,04 € für Tätigkeiten, die ein Fachhochschulstudium erfordern
  • EG 9: 29,42 € für Tätigkeiten mit Hochschulstudium oder Fachhochschulstudium plus mehrjähriger Berufserfahrung

Von Januar bis August 2026 lag EG 1 noch bei 14,96 €. Die nächste Erhöhung ist fest vereinbart: Zum 1. April 2027 steigt EG 1 auf 15,87 €. Neu im GVP-Tarifwerk sind außerdem Erfahrungszuschläge: +1,5 % nach 9 und +3 % nach 12 Monaten ununterbrochenem Einsatz beim selben Kunden. Voraussetzung ist, dass Ihr Arbeitsverhältnis mindestens 12 Monate ununterbrochen besteht. Für Unternehmen, die bis Ende 2025 an die iGZ-Tarifverträge gebunden waren, gilt bis 30. Juni 2027 eine Übergangsregel mit festen Zulagen.

Diese Beträge sind Untergrenzen. Mehr zu zahlen ist erlaubt, zum Beispiel bei besonderer Qualifikation oder schwer zu besetzenden Einsätzen.

Branchenzuschläge: Wenn Ihr Lohn automatisch steigt

Über den Grundtarif hinaus gibt es mehrere Branchenzuschlagstarifverträge (TV BZ). Sie greifen, wenn Sie in bestimmten Branchen eingesetzt werden, zum Beispiel:

  • Metall- und Elektroindustrie
  • Chemische Industrie
  • Kunststoffverarbeitende Industrie
  • Papier-, Pappe- und Kunststoffverarbeitung
  • Druckindustrie
  • Holz- und Kunststoffverarbeitende Industrie
  • Schienenverkehr
  • Textil- und Bekleidungsindustrie

Die Zuschläge sind nach Einsatzdauer gestaffelt. Mit dem neuen TV BZ Metall/Elektro (in Kraft seit 1. Januar 2026) starten sie bereits ab dem ersten Einsatztag, nicht mehr erst nach mehreren Wochen. Für Einsätze, die vor dem 1. April 2027 beginnen, gilt:

  • ab Einsatzbeginn 15 % auf den Grundlohn
  • nach dem 3. Monat 20 %
  • nach dem 5. Monat 30 %
  • nach dem 7. Monat 45 %
  • nach dem 9. Monat 50 %
  • nach dem 15. Monat 65 %

Wer als Helfer in einem Pforzheimer Metallbetrieb anfängt, verdient also vom ersten Tag an mehr als den Grundtarif. Der Zuschlag steigt mit der Einsatzdauer von selbst, dafür brauchen Sie weder einen neuen Vertrag noch eine Gehaltsverhandlung. Bis zum Ende des 15. Monats kann der Zuschlag auf die Differenz zu 90 % des regelmäßigen Stundenentgelts vergleichbarer Stammkräfte begrenzt werden, wenn der Einsatzbetrieb diese Deckelung geltend macht und nachweist. Wer einen Branchenzuschlag Metall/Elektro erhält, bekommt den Erfahrungszuschlag nicht zusätzlich. Für Einsätze ab dem 1. April 2027 sind ab 2028 geänderte Stufen vereinbart.

Equal Pay nach 9 Monaten

Zusätzlich zu den Branchenzuschlägen gilt das Prinzip Equal Pay: Spätestens nach 9 Monaten im selben Einsatzbetrieb müssen Sie dasselbe Entgelt erhalten wie vergleichbare Stammmitarbeiter des Kundenunternehmens. Bei Anwendung eines Branchenzuschlagstarifvertrags verlängert sich diese Frist auf 15 Monate. Dann ist mit der letzten Zuschlagsstufe ein tariflich gleichwertiges Entgelt erreicht.

Equal Pay schützt vor langfristigem Lohndumping und ist gesetzlich in § 8 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) verankert. Mehr zu Ihren Rechten lesen Sie in unserem Beitrag Rechte als Zeitarbeitnehmer.

Equal Treatment ab Tag 1

Während Equal Pay sich auf das Entgelt bezieht, gilt Equal Treatment bereits ab dem ersten Einsatztag. Sie haben das Recht auf den gleichen Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen des Einsatzbetriebs, also Kantine, Pausenräume, Parkplätze, Kinderbetreuung oder betriebliche Schulungen. Beim Arbeitsschutz gelten für Sie dieselben Regeln wie für die Stammbelegschaft.

Urlaub, Sonderzahlungen und Arbeitszeit

Das GVP-Tarifwerk regelt auch die Rahmenbedingungen: Der Urlaubsanspruch beträgt 25 Arbeitstage im ersten Jahr, 27 Tage im zweiten und dritten Jahr und 30 Tage ab dem vierten Jahr. Nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit haben Sie Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das mit der Betriebszugehörigkeit steigt. Die tarifliche Arbeitszeit ist eine verstetigte 35-Stunden-Woche (151,67 Stunden pro Monat). Geleistete Mehrstunden fließen in ein Arbeitszeitkonto.

Rechenbeispiel: Produktionshelfer in einem Metallbetrieb

Ein Beispiel aus Pforzheim mit der offiziellen Tabelle des TV BZ Metall/Elektro (gültig vom 1. September 2026 bis 31. März 2027). Sie fangen als Produktionshelfer in EG 1 an, also mit 15,33 € Grundlohn. Ihr Stundenlohn mit Branchenzuschlag:

  • ab dem ersten Tag 17,63 € (15 %)
  • nach dem 3. Monat 18,40 € (20 %)
  • nach dem 5. Monat 19,93 € (30 %)
  • nach dem 7. Monat 22,23 € (45 %)
  • nach dem 9. Monat 23,00 € (50 %)
  • nach dem 15. Monat 25,29 € (65 %, gleichwertiges Entgelt im Sinne von Equal Pay)

Diese Werte gelten, solange keine Deckelung greift. Der Zuschlag steigt mit der Einsatzdauer, ohne dass Sie neu verhandeln müssen. Hinzu kommen Urlaubs- und Weihnachtsgeld nach Tarif. Zum 1. April 2027 steigen alle Werte durch die vereinbarte Tariferhöhung erneut.

Worauf Sie achten sollten

  • Achten Sie auf einen Arbeitsvertrag, der das DGB/GVP-Tarifwerk explizit nennt
  • Lassen Sie sich bei Einsatz in einer der Branchenzuschlagsbranchen schriftlich bestätigen, welcher TV BZ angewendet wird
  • Bewahren Sie Ihre Stundenzettel und Lohnabrechnungen auf. So können Sie prüfen, ob die Zuschläge automatisch greifen
  • Fragen Sie spätestens nach 8 Monaten aktiv nach Equal Pay

Vor dem Vertrag nachfragen

Bei einem tarifgebundenen Personaldienstleister steht Ihr Lohn im Tarifvertrag. Fragen Sie deshalb schon im Gespräch, in welche Entgeltgruppe Sie kommen und welcher Branchenzuschlag gilt. Die rechtlichen Hintergründe stehen in unseren Beiträgen Rechte als Zeitarbeitnehmer und Zeitarbeit einfach erklärt.

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Quellen

Vereinfachte Darstellung, keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

Salman Karakus, Geschäftsführer bei PersoFlex

Geschrieben von

Salman Karakus

Geschäftsführer, PersoFlex GmbH

Geschäftsführung und Ansprechpartner für Betriebe

Mehr über das Team
Stichworte
Tariflohn, Zeitarbeit, GVP, iGZ, BAP, Branchenzuschläge, Equal Pay

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