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Zeitarbeit

Zeitarbeit einfach erklärt: AÜG, Equal Pay, Rechte

Von Salman Karakusaktualisiert am 6 Min. Lesezeit
Mann in Arbeitskleidung übergibt einer Mitarbeiterin im Büro Unterlagen

Wie Zeitarbeit funktioniert, was Ihnen als Zeitarbeitnehmer zusteht, was Betriebe davon haben und woran Sie einen seriösen Personaldienstleister erkennen.

Was Zeitarbeit und Arbeitnehmerüberlassung bedeuten

Bei der Zeitarbeit schließen Sie einen Arbeitsvertrag mit einer Zeitarbeitsfirma. Gearbeitet wird aber bei einem anderen Unternehmen, dem Kundenbetrieb. Rechtlich heißt das Arbeitnehmerüberlassung. Viele nutzen diesen Weg, um nach einer Pause wieder einzusteigen oder neue Betriebe kennenzulernen.

Die Branche wird von der Bundesagentur für Arbeit kontrolliert. Sie erteilt die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung und prüft, ob die Firmen sich an die Vorgaben halten. Ohne diese Erlaubnis darf kein Personaldienstleister Mitarbeiter überlassen.

Es sind also drei Beteiligte: Sie, der Personaldienstleister als Ihr Arbeitgeber und der Kundenbetrieb, in dem Sie arbeiten. Sie werden für einen bestimmten Einsatz eingeplant, bleiben aber rechtlich immer beim Personaldienstleister angestellt.

Wie Zeitarbeit im Alltag abläuft

Sie bewerben sich bei uns, wir sprechen über Ihre Erfahrung und suchen einen passenden Einsatz. Wenn alles passt, bekommen Sie einen Arbeitsvertrag. Der kann unbefristet oder zunächst befristet sein, wie in anderen Branchen auch.

Das Unternehmen, in dem Sie dann arbeiten, heißt Einsatzbetrieb, Entleiher oder Kundenbetrieb. Endet ein Einsatz und der nächste beginnt nicht sofort, bekommen Sie trotzdem Ihren Lohn weiter. Das Risiko einsatzfreier Zeiten trägt nach § 11 Abs. 4 AÜG der Personaldienstleister, und dieser Anspruch darf im Vertrag nicht ausgeschlossen werden.

Die Stelle ist ganz normal sozialversicherungspflichtig. Sie zahlen in die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ein wie in jedem anderen Job.

Was Sie als Zeitarbeitnehmer davon haben

Ihr Arbeitgeber ist der Personaldienstleister. Mit ihm schließen Sie den Arbeitsvertrag, er zahlt Ihren Lohn und gewährt Ihren Urlaub. Im Einsatzbetrieb dürfen Sie ab dem ersten Tag Kantine, Pausenräume und andere Gemeinschaftseinrichtungen nutzen, und es gelten dieselben Arbeitsschutzregeln wie für die Stammbelegschaft. Beim Lohn gilt der Grundsatz der Gleichstellung (Equal Pay). Ein Tarifvertrag wie das DGB/GVP-Tarifwerk darf davon in den ersten 9 Monaten abweichen, mit Branchenzuschlägen bis zu 15 Monate. Eine ausführliche Übersicht steht im Beitrag Rechte als Zeitarbeitnehmer.

Für Berufseinsteiger, Wiedereinsteiger und alle, die sich beruflich neu orientieren, ist Zeitarbeit oft der schnellste Weg zurück in Arbeit. Zwischen dem ersten Gespräch und dem ersten Einsatz liegen oft nur wenige Tage.

Sie lernen verschiedene Betriebe kennen und sammeln Erfahrung, ohne im Lebenslauf ständig den Arbeitgeber zu wechseln. In Pforzheim, wo viele Betriebe Metall verarbeiten, kommen so in kurzer Zeit viele Maschinen und Abläufe zusammen.

Bezahlt wird nach festen Stundenlöhnen je Entgeltgruppe. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind im Tarifvertrag geregelt, je nach Betriebszugehörigkeit gibt es bis zu 30 Tage Urlaub im Jahr, und in der Industrie kommen Branchenzuschläge dazu. Für Ihre Stunden führen wir ein Arbeitszeitkonto. Überstunden gehen nicht verloren, Sie können sie als Freizeit nehmen oder ausbezahlt bekommen.

Personaldienstleister und Personalvermittlung: der Unterschied

Die Begriffe werden oft verwechselt. Bei der Personalvermittlung suchen wir Personal für eine Festanstellung beim Kunden. Sie unterschreiben den Arbeitsvertrag dann direkt beim Unternehmen. Die Unterschiede stehen ausführlich im Artikel Personalvermittlung vs. Zeitarbeit.

Bei der Arbeitnehmerüberlassung unterschreiben Sie bei der Zeitarbeitsfirma, und wir tragen als Ihr Arbeitgeber das Risiko. Viele Personaldienstleister bieten beides an.

Die Grenzen verschwimmen manchmal. Nach einiger Zeit im Einsatz bietet der Kundenbetrieb Ihnen vielleicht eine Festanstellung an. Diese Übernahme ist für viele der Grund, über Zeitarbeit einzusteigen. Wie oft sie gelingt, lässt sich nicht pauschal sagen: Je nach Methode reichen die Schätzungen der Übernahmequote von 7 bis rund 30 Prozent (Bertelsmann Stiftung, 2012). Wie Sie Ihre Chancen verbessern, steht im Beitrag Übernahme nach Zeitarbeit.

Das AÜG und der Überlassungsvertrag

Rechtsgrundlage ist das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Bevor Sie am ersten Tag beim Kunden anfangen, schließen wir mit dem Betrieb einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag. Darin stehen die kaufmännischen und rechtlichen Einzelheiten des Einsatzes.

Im Kundenbetrieb gelten für Sie dieselben Sicherheitsvorschriften wie für das Stammpersonal. Der Einsatzbetrieb muss Sie unterweisen, und wir als Ihr Arbeitgeber prüfen, ob der Arbeitsplatz sicher ist.

Dazu kommt die sogenannte Subsidiärhaftung nach § 28e Abs. 2 SGB IV: Zahlt der Personaldienstleister die Sozialversicherungsbeiträge nicht, haftet der Kundenbetrieb dafür. Ihre Beiträge sind damit zusätzlich abgesichert.

Equal Pay und Tarif

Equal Pay ist im AÜG geregelt und bedeutet: Nach 9 Monaten im selben Einsatz bekommen Sie grundsätzlich dasselbe Entgelt wie vergleichbare Festangestellte des Kundenbetriebs. Gilt ein Branchenzuschlagstarifvertrag, kann sich diese Frist auf bis zu 15 Monate verlängern (§ 8 Abs. 4 AÜG).

Bezahlt wird nach Tarifvertrag, bei uns nach dem DGB/GVP-Tarifwerk. Der Tarifvertrag regelt Ihren Stundenlohn, Ihren Urlaubsanspruch und die Bezahlung im Krankheitsfall.

In vielen Branchen kommen Branchenzuschläge dazu, zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie. Sie steigen stufenweise, je länger Sie im selben Betrieb arbeiten.

Höchstüberlassungsdauer: Wie lange man im selben Betrieb bleiben darf

Wie lange ein Einsatz beim selben Unternehmen dauern darf, regelt die Höchstüberlassungsdauer. In der Regel sind es 18 Monate. Abweichen kann davon nur ein Tarifvertrag der Einsatzbranche oder eine darauf gestützte Betriebsvereinbarung (§ 1 Abs. 1b AÜG).

Läuft diese Zeit ab, übernimmt der Kunde Sie entweder fest, oder wir suchen einen neuen Einsatz für Sie. Viele Betriebe, gerade in Feinwerktechnik und Logistik, nutzen die Monate davor wie eine verlängerte Probezeit. Wer gute Arbeit macht, bekommt oft vor Ablauf der Frist ein Angebot.

Was Betriebe von Zeitarbeit haben

Betriebe fangen mit Zeitarbeit Auftragsspitzen, Saisongeschäft und einzelne Projekte ab, ohne sich langfristig zu binden. Die Suche, die Gespräche und die Prüfung der Unterlagen übernimmt der Personaldienstleister. Der Betrieb lernt die Person im Einsatz kennen, bevor er sie vielleicht fest einstellt. Wie das bei uns abläuft, steht auf der Seite Arbeitnehmerüberlassung.

Woran Sie eine ordentliche Zeitarbeitsfirma erkennen

Fragen Sie zuerst, ob die Firma tarifgebunden ist und nach welchem Tarifvertrag sie zahlt. Das ist Ihr wichtigster Schutz. Der Lohn sollte vor der Unterschrift klar besprochen sein, und im Vertrag sollte der Tarifvertrag genannt werden. Fragen Sie außerdem nach der Erlaubnis nach AÜG. Unsere steht unter Downloads als PDF.

Achten Sie auch darauf, ob Ihr Betreuer erreichbar ist und sich während des Einsatzes meldet. Wenn im Kundenbetrieb etwas nicht passt, brauchen Sie jemanden, der sich darum kümmert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie haben einen festen Arbeitsvertrag, Urlaub und Lohn, auch wenn Sie gerade keinen Einsatz haben.
  • Das AÜG und die Bundesagentur für Arbeit regeln und kontrollieren die Branche.
  • Nach 9 Monaten im selben Betrieb steht Ihnen grundsätzlich derselbe Lohn zu wie der Stammbelegschaft, mit Branchenzuschlägen spätestens nach 15 Monaten.
  • Viele Betriebe nutzen die Überlassung zum Kennenlernen, daraus kann eine Übernahme werden.
  • Einsteigen können Quereinsteiger genauso wie Fachkräfte.

Ihr nächster Schritt

Unsere offenen Stellen finden Sie in der Jobbörse. Fragen beantworten wir am Telefon unter 07231 6039493 oder über das Kontaktformular. Sie suchen als Unternehmen Personal? Dann stellen Sie uns eine Personalanfrage.

Quellen

Vereinfachte Darstellung, keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

Salman Karakus, Geschäftsführer bei PersoFlex

Geschrieben von

Salman Karakus

Geschäftsführer, PersoFlex GmbH

Geschäftsführung und Ansprechpartner für Betriebe

Mehr über das Team
Stichworte
Zeitarbeit, Arbeitnehmerüberlassung, AÜG, Equal Pay, Karriere, Personaldienstleister, Pforzheim

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